Haare im Finger drehen führt zu Trichotillomanie

Trichotillomanie

Die meisten Menschen wünschen sich eine üppige Haarpracht. Verschiedene Faktoren können jedoch dazu führen, dass die Haare ausfallen. Bei der sogenannten Trichotillomanie verhält es sich jedoch anders. Die Haare fallen nicht aus, sondern die Betroffenen reißen sich immer wieder die Haare heraus, wodurch es zum Haarverlust kommt. Bei der Trichotillomanie handelt es sich um eine Zwangsstörung, die einen mechanischen Haarausfall, der auch als Traktionsalopezie bezeichnet wird, zur Folge hat.

Trichotillomanie: Betroffenen haben sehr hohen Leidensdruck

Menschen, die an einer Trichotillomanie leiden, fühlen sich häufig angespannt oder ängstlich, bevor sie sich die Haare ausreißen. Das Herausreißen der Haare verschafft den Betroffenen das Gefühl der Linderung.

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Die Symptome können bei den Betroffenen bezüglich der Intensität variieren. Unbehandelt können die Symptome ein Leben lang bestehen bleiben. Die Diagnose Trichotillomanie erhalten Patienten, wenn sie sich so viele Haare ausreißen, dass sie davon Haarausfall bekommen.

Die Diagnose wird auch dann gestellt, wenn die Betroffenen versuchen, dass Herausreißen der Haare zu unterdrücken, es aber nicht schaffen. Von einer Trichotillomanie spricht man außerdem, wenn die Patienten durch ihre Handlungen einen so hohen Leidensdruck erfahren, dass sie im Alltag nicht mehr normal funktionieren können.

Wenn Sie an einer Trichotillomanie leiden, kann Ihnen eine kognitive Verhaltenstherapie, die speziell auf diese Zwangsstörung abgestimmt ist, helfen. Meistens wird die Therapie durch die Gabe von Antidepressiva oder anderen Medikamenten begleitet, um die Symptome kontrollieren zu können.

Die Trichotillomanie setzt häufig kurz vor der Pubertät ein

Bei vielen Betroffenen setzt die Trichotillomanie kurz vor der Pubertät oder kurz nachdem die Pubertät begonnen hat, ein. Bei über 60 Prozent aller Patienten setzt die Zwangsstörung in der Pubertät ein. Die Trichotillomanie kann jedoch auch schon im frühesten Kindesalter oder im späteren Erwachsenenalter auftreten. Bei betroffenen Kindern sind Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen. Etwa 1 bis 2 Prozent aller Menschen leiden unter dieser Zwangsstörung. 90 Prozent aller Erwachsenen mit einer Trichotillomanie sind Frauen.

Die Betroffenen reißen sich die Haare nicht aus kosmetischen Gründen heraus, um besser auszusehen, sondern zwanghaft. Sie kompensieren dadurch Ängste, Anspannung und Stress. Die Patienten reißen sich die Haare vom Kopf. Es können aber auch andere Körperhaare wie die Wimpern oder die Augenbrauen betroffen sein.

Die Symptome einer Trichotillomanie

Wie viele Haare sich die Betroffenen ausreißen und an welcher Körperstelle, kann bei den Patienten stark variieren. Manche Betroffene haben komplett kahle Stellen auf dem Kopf. Auch die Wimpern und/ oder Augenbrauen können komplett ausgerissen sein. Bei anderen Patienten werden die Haare durch das Ausreißen lediglich dünner. Manche Betroffene wechseln die Stellen ab, an denen sie die Haare ausreißen.

Während sich die einen die Haare gewissermaßen unbewusst und automatisch ausreißen, sobald sie eine zu hohe innere Anspannung verspüren, machen es die anderen völlig bewusst. Betroffene mit einer körperdysmorphen Störung reißen sich die Haare aus, weil sie ihr Aussehen verbessern möchten.

Dies ist bei der Trichotillomanie nicht der Fall.

Das Herausreißen der Haare wird oft von Ritualen begleitet

Das krankhafte Herausreißen der Haare wird oftmals von verschiedenen Ritualen begleitet. So gibt es zum Beispiel Betroffene, die nach einem bestimmtem Haar oder einer bestimmten Haarsorte suchen, um es dann ausreißen zu können. Andere führen die Haare zwischen ihre Finger und drehen sie erst um die eigenen Finger, ehe sie die Haare ausreißen. Auch werden einzelne Strähnen häufig zwischen die Zähne gezogen, ehe sie ausgerissen werden. Manche Betroffene beißen auf den Haaren herum, nachdem sie sie ausgerissen haben. Dabei werden die Haare häufig heruntergeschluckt.

Wenn die Haare heruntergeschluckt werden, können sich Knoten bilden, die im Magen oder im Verdauungstrakt stecken bleiben können. Diese Knoten werden auch als Trichobezoare bezeichnet. Die Haarknoten haben folgende Auswirkungen auf die Betroffenen:

  • Gefühl einer zu frühen Sättigung
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schmerzen
  • Verdauungsstörungen
  • Verstopfung

Depressionen sind bei einer Trichotillomanie keine Seltenheit

Viele Menschen, die an einer Trichotillomanie leiden, reißen sich nicht nur die Haare aus, sondern kauen auch Nägel oder auf der Innenseite der Wange oder sie zupfen häufig an ihrer Haut herum. Manche führen auch andere Handlungen aus, die den Körper betreffen. Diese Erscheinungen sind oftmals einer Depression zuzuordnen.

Durch die Trichotillomanie ändert sich das äußere Erscheinungsbild. Aus diesem Grund schämen sich viele Betroffene für ihr Aussehen. Sie empfinden es als peinlich, ebenso ihr Verhalten, dass sie die Zwangsstörung nicht kontrollieren können.

Wie gehen die Betroffenen mit dem Haarverlust um?

Häufig versuchen die Betroffenen den Haarverlust zu kaschieren. Sie tragen zum Beispiels Schals, Mützen, Tücher, Perücken oder Haarteile. Andere wiederum reißen die Haare immer wieder an unterschiedlichen Körperstellen aus, damit der Haarverlust nicht so offensichtlich wird.

Manche Patienten versuchen Situationen zu vermeiden, in denen der Haarausfall auffallen könnte. Betroffene mit einer Trichotillomanie reißen sich die Haare für gewöhnlich nur dann aus, wenn sie alleine sind. In Gegenwart von Fremden tun sie dies nicht. Gelegentlich tun sie es jedoch, wenn engste Familienangehörige oder andere nahestehende Menschen anwesend sind. Die Betroffenen verlieren in solchen Momenten die Kontrolle und können den Zwang nicht unterdrücken. Oft versuchen sie es jedoch, das Ausreißen der Haare zu unterdrücken.

Es ist auch möglich, dass die Betroffenen anderen Personen oder Tieren die Haare ausreißen. Es kommt außerdem vor, dass die Patienten Fäden aus Textilien, Kleidungsstücken oder Decken ziehen. Menschen, die an einer Trichotillomanie leiden, versuchen immer wieder, das Ausreißen der Haare zu beenden oder zu reduzieren. Nur ist die innere Anspannung oder die Angst so hoch, dass sie es nicht schaffen.

Trichotillomanie: Betreoffener reißt einzelne Strähne aus.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Arzt beurteilt durch folgende Kriterien bzw. Symptome, ob eine Trichotillomanie vorliegt:

  • Es werden so viele Haare ausgerissen, dass es zu einem Haarverlust kommt
  • Der Betroffene versucht das Ausreißen der Haare zu unterbinden oder zu reduzieren
  • Der Betroffene leidet so sehr, dass dadurch seine Arbeits- und Lebensweise negativ beeinträchtigt wird

Wie wird die Trichotillomanie behandelt?

Zur Behandlung einer Trichotillomanie wird für gewöhnlich eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Teilweise findet eine medikamentengestützte Therapie statt. In schweren Fällen verordnen Ärzte Medikamente, damit es dem Patienten leichter fällt, die Symptome der Trichotillomanie zu kontrollieren.

Häufig kommen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Clomipramin zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um Antidepressiva. Diese können dem Betroffenen vor allem dann helfen, wenn er gleichzeitig an einer Depression oder einer Angststörung leidet. Weitere Medikamente die für die Behandlung einer Trichotillomanie in Frage kommen sind N-Acetylcystein oder Olanzapin.

Was bewirkt die kognitive Verhaltenstherapie bei einer Trichotillomanie?

Bei einer Trichotillomanie kann die kognitive Verhaltenstherapie dabei helfen, die Symptome der Zwangsstörung zu lindern. Die häufigste angewendete Form der Verhaltenstherapie bei einer Trichotillomanie ist das sogenannte Habit-Reversal-Training. Betroffene lernen in der Therapie folgende Verhaltensweisen:

  • Sich der Handlungen besser bewusst werden
  • Situationen identifizieren, die das Herausreißen der Haare auslösen
  • Strategien erlernen, die dabei helfen, das Ausreißen der Haare zu unterbinden wie die Faust ballen, sich auf die Hände setzen, stricken

Fügen die Betroffenen sich selber Schmerzen zu?

Bei gesunden Menschen verursacht das Herausreißen der Haare Schmerzen. Aus diesem Grund reißt sich niemand freiwillig die Haare heraus. Schließlich will das Gehirn Schmerzen vermeiden. Betroffene, die an einer Trichotillomanie leiden, scheinen beim Herausreißen der Haare keinen Schmerz zu empfinden. Während dieser Handlung sind sie zudem meistens geistesabwesend.

Den meisten Betroffenen geht es auch gar nicht darum, die Haare auszureißen, sondern sich die Haare im Anschluss in den Mund zu stecken. Sie kauen darauf herum, zerteilen es mit der Zunge und den Zähnen. Das abbbeißen der Haarwurzel wird dabei als als sehr befriedigend empfunden.

Wachsen die Haare bei einer Trichotillomanie wieder nach?

Wenn die Trichotillomanie früh erkannt wird, bestehen gute Chancen, dass die Haare wieder nachwachsen. Besteht die Zwangsstörung schon länger oder vielleicht sogar mehrere Jahre, ist es möglich, dass die Haarfollikel so stark beschädigt wurden, dass sie inaktiv sind. In diesem Fall wachsen die Haare nicht mehr nach. Dann können auch keine speziellen Haarpflegeprodukte mehr helfen, um das Haarwachstum anzuregen.

In diesem Fall kann nur noch eine Haartransplantation helfen, wieder dauerhaft volles Haar zu bekommen. Zudem ist eine Transplantation nicht nur auf die Haare auf dem Kopf beschränkt. Haartransplantationen der Augenbrauen oder eine Wimperntransplantation sind ebenfalls möglich.

Falls die Haartransplantation für Sie nicht in Frage kommt, können Sie auch Haarteile oder eine Perücke tragen. Dies empfiehlt sich vor allem in der Übergangszeit, bis die Haare wieder nachgewachsen sind. Wenn Sie von einer Trichotillomanie betroffen sind, vertrauen Sie sich einem Arzt an. Auch wenn Sie zu diesem Zeitpunkt keinen Ausweg aus Ihrer Lage sehen, Ihnen kann geholfen werden!

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