Diffuser Haarausfall bei Frauen & Männern – Ursachen, Symptome & Behandlung

Diffuser Haarausfall

Jeder Mensch verliert täglich bis zu 100 Haare, was völlig normal ist. Dennoch machen sich viele Menschen Sorgen darüber, wenn sie nach dem Haare waschen Haare in der Dusche oder in der Bürste finden. Oft wirkt es, als wären es mehr als nur 100 Haare, weil die Haare so lang sind. Wenn sie sich verknotet haben, sieht es ebenfalls so aus, als hätte man sehr viele Haare verloren.

Viele Menschen leiden gar nicht an Haarausfall, auch wenn sie es zunächst glauben. Aber woran erkennt man, ob man an diffusem Haarausfall leidet und was kann man dagegen tun? Und was sind die Ursachen für den Haarausfall?

Was versteht man unter diffusem Haarausfall?

Beim sogenannten diffusen Haarausfall werden die Haare dünner. Der Verlust der Haare kann bei dieser Form des Haarausfalls langsam oder aber sehr schnell voranschreiten. Die Haare werden dabei für gewöhnlich gleichmäßig dünner, sodass die Kopfhaut zunehmend durchscheint. Kahle Stellen wie beim kreisrunden Haarausfall kommen dabei nicht vor. Beim diffusen Haarausfall, der auch als diffuse Alopezie bezeichnet wird, muss man zwischen zwei verschiedenen Arten unterscheiden.

Der telogene Haarausfall

Beim sogenannten telogenen Haarausfall fallen die Haare erst zwei bis drei Monate nach einer belastenden Situation oder nach dem Beginn einer Erkrankung aus. Die Haare wachsen in diesem Fall nicht weiter und treten in die sogenannte Telogenphase ein. Sie fallen entweder aus oder das Haarwachstum schreitet nicht weiter voran. Diese Phase wird im späteren Verlauf auch telogenes Effluvium genannt. Nachdem der Auslöser erkannt und beseitigt wurde, dauert es zwischen sechs und zwölf Monate, ehe das Haar wieder an Volumen gewonnen hat.

Meistens dauert die Phase des telogenen Haarausfalls zwischen vier und sechs Monaten. Selten hält sie länger an. Der telogene Haarverlust kann zurückkehren. Die Ursache dafür konnte bisher noch nicht geklärt werden. An dieser Form des Haarausfalls leiden Menschen aller Altersgruppen. Frauen sind dabei häufiger davon betroffen als Männer.

Der anagene Haarausfall

In der Anagenphase, auch anagenes Effluvium genannt, fallen die Haaren bereits in der Wachstumsphase aus. Diese Variante des diffusen Haarausfalls ist sehr akut. Oft erkennt man den Haarausfall schon sehr deutlich, nach ein bis zwei Wochen. Der anagene Haarausfall kommt zum Beispiel häufig bei Chemotherapien, starken Schwermetall-Vergiftungen und Bestrahlungsbehandlungen vor.

Sobald die Behandlung beendet wurde oder eine Entgiftung stattgefunden hat, wachsen die Haare meistens wieder nach. Oftmals wachsen sie sogar dichter nach, als sie zuvor waren. Glatte Haare können sogar lockig werden und lockige Haare glatt.

Welche Ursachen hat diffuser Haarausfall?

Die Ursachen für diffusen Haarausfall sind vielfältig. Oft liegt der Haarverlust darin begründet, dass falsche Pflegeprodukte verwendet werden oder die Haare ‚überpflegt‘ werden. Zu heißes Waschen, Fönen oder Experimente mit dem Glätteisen, Haarspray, Gel usw. können dem Haar so stark schaden, dass es abbricht, wodurch das Haar dünner erscheint. Durch diese Strapazen fällt es jedoch nicht zwingend aus. Besonders häufig führen Stress und psychische Belastungen zu verstärktem Haarausfall.

Hormone können diffusen Haarausfall auslösen

Während einer Schwangerschaft, verändert sich der Hormonspiegel drastisch. Viele Frauen bekommen dann volleres Haar. Nach der Geburt, stellen sich die Hormone wieder um und viele Frauen klagen dann über verstärkten Haarausfall. Hormonschwankungen können sowohl das Haarwachstum begünstigen als auch zu Haarverlust führen. Nach der Schwangerschaft pendelt sich der Haarverlust jedoch für gewöhnlich schnell wieder ein.

Frauen, die die Anti-Baby-Pille wechseln oder absetzen, bemerken auch häufig Veränderungen bei ihren Haaren. Sie können dann sowohl ausfallen als auch stärker wachsen.

Erkrankungen können das Haarwachstum negativ beeinträchtigen

Erkrankungen der Schilddrüse können sich negativ auf das Haarwachstum auswirken. Bei der Schilddrüsenunterfunktion, die auch als Hypothyreose bezeichnet wird, kommt es oftmals zu brüchigem Haar und Haarausfall. Bei der Hyperthyreose, also der Schilddrüsenüberfunktion wird das Haar meistens dünner und es kommt zum diffusen Haarausfall.

Verschiedene Infektionen und Hauterkrankungen können den diffusen Haarausfall ebenfalls begünstigen. Darunter unter anderem:

  • Pilzerkrankungen
  • Hauttumore
  • Ekzeme auf der Kopfhaut
  • Schuppenflechte
  • Bakterieninfektionen oder Viren wie bei Herpes Zoster.

Eisenmangel als Ursache für diffusen Haarausfall

Als Ursache für diffusen Haarausfall kommt auch ein empfindlicher Eisenmangel in Frage. Insbesondere ein Mangel an Ferritin, dem sogenannten Speichereisen, kommt bei diffusem Haarausfall häufig vor. Ein Eisenmangel kann durch erhöhten Blutverlust, über eine unzureichende Eisenaufnahme über den Darm oder eine schlechte Eisenversorgung über die Ernährung zustande kommen. Wenn die Menstruation sehr stark ist, kann auch sie zu einem meist vorübergehendem Eisenmangel führen.

Nährstoffmängel sind selten, können aber auftreten

Bei einer gesunden, ausgewogenen Ernährung kommt es sehr selten zu einem Nährstoffmangel. Nährstoffmängel können zu diffusem Haarausfall führen. Oft liegt ihnen jedoch eine Vorerkrankung zu Grunde, wodurch die Nährstoffe zum Beispiel vom Darm nicht richtig aufgenommen und verarbeitet werden können.

Crash-Diäten und vor allem einseitige Diäten können einen Nährstoffmangel zur Folge haben, der sich wiederum negativ auf das Haarwachstum auswirkt. Solche Diäten sind für den Körper Stress. Stress führt zu diffusem Haarausfall und der Nährstoffmangel tut sein Übriges dazu. Aber auch Essstörungen wie Bulimie oder die Anorexie können einen Nährstoffmangel zur Folge haben. Bei chronischen Darmerkrankungen können Nährstoffe aus der Nahrung häufig nicht mehr richtig vom Körper verwertet werden.

Medikamente können Auslöser für diffusen Haarausfall sein

Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung einen diffusen Haarausfall verursachen. Hierzu zählen unter anderem folgende Mittel:

  • Cholesterinsenker
  • Blutverdünner
  • Betablocker gegen Bluthochdruck
  • Retinoide gegen Akne

Wie wird ein diffuser Haarausfall festgestellt

Für die Diagnose wird die Kranken- und Familiengeschichte der Familie durchleuchtet. Darüber hinaus wird der Patient körperlich untersucht. Es werden die Haare, die Haut und die Nägel untersucht und ein Zupftest durchgeführt.

Die Kopfhaut wird mit einer speziellen Lupe, einem sogenannten Dermatoskop, untersucht.

Was kann man gegen diffusen Haarausfall tun

Wenn Sie an diffusem Haarausfall leiden, ist es gut, die Ursache herauszufinden. Sobald diese beseitigt ist, lässt der Haarverlust für gewöhnlich nach. Vielleicht ist eines der Medikamente, die Sie einnehmen für den Haarausfall verantwortlich. Vielleicht sind Ihre Eisenwerte zu niedrig. Wenn Sie die Ursache nicht herleiten können, lassen Sie sich von einem Arzt untersuchen, um die Ursache herauszufinden.

Sobald die Ursache gefunden und abgestellt wurde, ist es möglich, dass der diffuse Haarausfall noch für zwei bis drei Monate anhält, ehe das Haar wieder dichter wird oder es zu einem Stillstand des Haarausfalls kommt.

Haarausfall bei Chemo- und Strahlentherapien

Bei Strahlentherapien und der Chemotherapie kommt es fast immer zu verstärktem Haarausfall. Die Haare werden vorübergehend dünner oder fallen ganz aus. In einigen Fällen ist der Haarverlust länger anhaltend, aber ebenfalls vorübergehend. Dies ist unter anderem abhängig von der Therapiedauer.

Beim diffusen Haarausfall kann neben dem Kopfhaar auch das Gesichtshaar, wie die Augenbrauen, Wimpern und Barthaare ausfallen. Darüber hinaus ist es auch möglich, dass die Schamhaare ausfallen. Für Männer ist dies schon sehr belastend. Für Frauen ist diese Belastung meist jedoch noch stärker, sodass sie zusätzlich unter einer großen psychischen Belastung stehen, die den Haarausfall noch zusätzlich verstärken kann.

Falls Sie eine Chemotherapie durchführen müssen, kann eine Kühlhaube dabei helfen, den Haarausfall einzudämmen. Während Sie die Kühlhaube tragen, zirkuliert eine kühlende Flüssigkeit mit einer Temperatur von drei bis vier Grad über Ihre Kopfhaut. Dadurch kühlt sich die Kopfhaut auf etwa 21 Grad ab. Das Tragen einer Kühlhaube wird mittlerweile schon in vielen Tumorzentren angeboten.

Hilfe für die Übergangszeit

Wenn Sie eine Frau sind und an starkem, diffusen Haarausfall leiden, können Sie in der Übergangzeit eine Perücke tragen. Die Kosten dafür übernimmt für gewöhnlich die Krankenkasse, wenn die Perücke vom Arzt verordnet wurde. Männer müssen die Kosten für eine Perücke meistens leider selbst übernehmen.

Wenn Sie eine Chemotherapie durchführen müssen, gibt es Perücken aus Echthaar und Kunsthaar. Die Chemotherapie führt fast immer zu starkem Haarverlust. Es macht also Sinn, wenn Sie sich schon im Vorfeld mit Perücken beschäftigen und sich beraten lassen. Die Farbe und der genaue Einsatz können dann gezielt geplant und auf Ihre noch verbleibenden Haare abgestimmt werden. Nachdem die Chemotherapie abgeschlossen ist, wachsen die Haare wieder nach. Die Farbe und die Struktur der Haare kann sich jedoch durch die Chemotherapie verändern. Aber Sie bekommen ihr Haar wieder zurück.

Schminkkurse können Ihnen dabei helfen, Ihre verlorenen Wimpern und Augenbrauen ‚wieder zu erlangen‘. In den Kursen lernen Sie, wie Sie Ihre Augenbrauen nachzeichnen können und wie unechte Wimpern Ihnen helfen können. Der beste Weg, um den diffusen Haarausfall wieder loszuwerden ist es, die Ursache zu finden und diese abzuschalten. Bei einer Chemotherapie ist der Haarausfall oft unausweichlich. Wenn Sie jedoch Diäten machen oder falsche Haarpflegeprodukte verwenden, an einem Eisenmangel leiden oder Medikamente einnehmen, die Ihnen nicht bekommen, können Sie die Ursache schnell abstellen.

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